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Skulpturenpark
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Laudatio der Dombaumeisterin

Frau Prof. Dr. Barbara Schock-Werner,

anlässlich der Ausstellungseröffnung

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Laudatio (14kB)
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Garten ist ein Wort, das sicher bei allen Menschen eine positive Resonanz hervorruft. Ein Garten, das sind Bäume, Hecken, Blumen, Düfte, Vögel, vielleicht Wasser, wenn es schön ist Sonne, Alleen, kurz alles Dinge, die Wohlbefinden suggerieren, angenehmes Leben. Nur für wenige ist der Garten mit Arbeit verbunden, wir anderen dürfen ihn genießen. Gärten gehören seit vielen hundert Jahren zu bürgerlichem und adligem Wohnen. Keine Angst, ich erzähle ihnen keine Geschichte der Gartenbaukunst, obwohl sie, und das wird den Historikern immer mehr bewusst, genau so spannend ist wie die Architekturgeschichte. In den Gärten verdichten sich Träume, werden Freiräume wahrgenommen, ändert sich das Verhalten der Menschen, die Konventionen werden weniger wichtig, der Umgang mit den Nächsten wird entspannter.

Auch mit der Erweiterung von Garten zu Skulpturengarten verändert sich die positive Wahrnehmung nicht. Ein zusätzliches Element tritt hinzu, die Kunst tritt zur Natur und verbindet sich mit ihr nach einem wohldurchdachten Konzept. Wer denkt bei Skulpturengarten nicht an gelungene Beispiel, die er schon durchschritten hat, den noch gut zu erkennende römisch antike Garten der Villa Hadriana in Tivoli, den großen Garten von Versailles, wo Skulptur in Achsen und inmitten von Seen und Rondellen aufgestellt ist, den Garten von Schloss Weikersheim mit seinen drolligen, phantasievollen Zwergenfiguren oder den Garten von Veitshöchheim, wo sich ein Skulpturengarten mit dem ganzen Zauber des Rokokos erhalten hat. Für Rheinländer ist zumindest der schöne Garten von Schloss Brühl ein Begriff.

Aber auch Spitäler hatten Gärten, zugegeben nicht ganz so prachtvolle wie die Schlösser und auch nicht mit so vielen Skulpturen durchsetzte. Es waren zumeist Nutzgärten, deren Ertrag bestimmt war von den Bewohnern verzehrt zu werden, sie hatten aber eben auch die Funktion, diesen Bewohnern einen angenehmen Aufenthalt im Freien zu ermöglichen.

Das Krankenhaus der Augustinerinnen – im Kölner Sprachgebrauch unter ‚Klösterchen’ bekannt hat jetzt auch einen Skulpturengarten und ich hoffe und ich bin überzeugt, dass auch er mit positiven Assoziationen verbunden wird ist.

Ausgangspunkt dieses Skulpturengarten waren zwei neugotische Skulpturen, die der Bildhauer Ferdinand Josef Custodis 1887 für den Bau von Heinrich Wiethase geliefert hat.

Heinrich Wiethase war Absolvent der Königlichen Bauakademie in Berlin und hat anschließend bei Georg Ungewitter in Kassel studiert. Danach arbeitete er in Köln, zuerst bei Vincenz Statz, danach bei Ferdinand Schmidt, dessen Atelier er 1858 übernahm. Wiethase gehört damit zum Adel der Kölner Neugotik und war ein vielbeschäftigter Architekt.
1861 erhielt er in Berlin den Schinkelpreis.

In Köln hat er am Rathausturm und am Gürzenich gearbeitet. Betrachtet man die Liste mit der von ihm ausgeführter Architektur, so scheint er aber vor allem ein Spezialist für Krankenhäuser und ähnliche Bauten gewesen sein und so bekam er 1875 auch den Auftrag, den Bau des Mutterhauses der Celittinen vom hl. Augustinus in der Severinstrasse zu bauen. 1887 war dieses alte Krankenhaus fertig gestellt. Nach den Fotos, die mir Herr Doktor. Beines freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, war es ein Ziegelbau, dessen spitzbogige Fenster mit Hausteinmaßwerk versehen war. Ein reich geschmücktes und sehr eindrucksvolles Gebäude. Zum Schmuck der Fassade gehörten auch annähernd lebensgroße Skulpturen, von denen allein die der Maria, des Josef und des Hl. Augustinus den Krieg und die Zerstörung des Krankenhauses überlebt haben.

Bildhauer dieser Skulpturen war der 1842 geborene und 1911 gestorbene Ferdinand Joseph Friedrich Custodis. Custodis hat im Atelier des Dombildhauers Peter Fuchs gearbeitet und war dort vermutlich auch ausgebildet worden. Peter Fuchs, dessen Namen in Köln nur Wenigen vertraut ist, ist der wichtigste Bildhauer des Domes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert. Von ihm stammen alle Entwürfe für die Portale im Westen und im Norden des Domes, er hat über 700 Skulpturen an den Dom geliefert. Seine Werkstatt muss ein fast Manufakturartiger Betrieb gewesen sein, trotzdem sind alle Figuren von höchster handwerklicher Qualität. In diesem Unkreis wurde der Bildhauer Custodis also geprägt, und das ist den hier aufgestellten Figuren auch noch anzumerken. Wiethase hat Custodis auch am Rathausturm beschäftigt, er war an der Ausstattung von St. Heribert in Deutz beteiligt und hat für Kölner Friedhöfe, besonders für Melaten viele Denkmäler geschaffen. Er besaß in der Jakobstrasse ein Haus besessen schon daraus kann man ablesen, dass er ein gut beschäftigter Bildhauer gewesen war.

Maria und Josef sind Gewandfiguren, weich wie aus schwerem Tuch fallende Stoffbahnen umhüllen schlanke Körper. Die Gesichter sind stark typisiert, sowohl bei Maria, da ins jugendlich Ernste, Schöne, als auch bei Josef, dort ins charaktervoll männliche. Josef blickt vor sich hin, was auf eine ursprünglich hohe Aufstellung schließen lässt und hält sein blühendes Reiß in der Hand, Maria weißt auf ihr rosenumkränztes Herz hin. Sowohl das stark typisierte als auch die sorgfältige Durcharbeitung verbinden Custodis mit Fuchs und weisen auf die Herkunft des Künstlers aus der Dombauhütte hin. Die ehemalig wohl an der Kapelle stehenden Figuren von Maria und Josef standen in den letzten Jahren im Freien. Nachdem Dr. Beines als Mitarbeiter des Stadtkonservators das Krankenhaus im Jahr 2000 auf den schlechten Zustand der Figuren hingewiesen hat, hat die Krankenhausleitung reagiert und sie durch den Bildhauer Titus Reinarz restaurieren lassen. Ihre sehr gelungene Wiederherstellung und ihre Rückkehr in den Krankenhausgarten war Anlass, sie mit Kunstwerken zeitgenössischer Bildhauern zu umgeben. Es entstand also die Idee jenes Skulpturengarten, der wir heute zu eröffnen, zusammengekommen sind.

Zum einen sind es Werke desjenigen, der sich um die Werke Custodis gekümmert hat, des 1948 in Honnef geborenen Titus Reinarz. Er ist, wie so viele bemerkenswerte Künstler in der Region, Absolvent der Kölner Werkkunstschule gewesen, deren Schließung es wieder einmal zu bedauern gilt, und war Meisterschüler von Karl Burgeff, von dem Sie als ehestem den Dionyssosbrunnen im Osten des Domes kennen. Er muss leider dort ein unwürdiges Dasein fristen.

Titus Reinarz war Stipendiat in der Villa Massimo in Rom, eine der wertvollsten Auszeichnungen, die einem jungen Künstler in Deutschland passieren kann. Später war er Dozent an der Fachhochschule Köln. Vor allem ist er freischaffender Künstler, der in Sinzig lebt und arbeitet.

Seine kleinfigurigen Plastiken sind schon im Entree des Krankenhauses aufgestellt und laden dort zur genauen Betrachtung ein. Aber auch die hier im Garten zur Aufstellung gekommenen, sind nicht von großen Dimensionen. Sie verlangen, dass man zu ihnen hingeht und einen genauen Blick auf sie wirft. Sie sind gewissermaßen Skulpturelle Apercus, ohne dass ich das in irgend einer Weise abwertend meine. Kleine Kunstwerke eben, zum genauen Hinsehen bestimmt: Ein Schmetterling auf einer Hand, ein Fisch im Wasser, Traube und Schnecke, Seerose und Frosch, Getreide, Frosch und Sichel. Aber Skulptur ist nicht nur der metallene Teil, fest verbunden und damit unverzichtbar ist immer auch der steinerne Sockel bzw. die steinerne Stele, auf der die kleinen Plastiken befestigt sind. Die Sockel oder Stelen zeigen die wunderbare Bearbeitung, die kleinen Bilder sind erkennbar aber nicht realistisch.

In vielen der Skulpturen steckt ein Hintersinn, der sich erst auf dem zweiten Blick erschließ, so wie bei dem Paar das sich Rücken an Rücken kuschelt und doch in verschiedenen Richtungen schaut. Wie bei Europa auf dem Stier, die in die Gegenwart gesetztist und die Frage zu stellen scheint, wohin der Stier sie heute entführt. Die stehende männliche Figur, vom Künstler der Schmetterlingsmann benannt, steht für mich hier im Garten wie der Heilige Franziskus, der den Dialog mit Josef und Maria eröffnet hat.

Völlig anders ist die Gartenskulptur des 1954 geborenen Paul Emsermann. Er ist Autodidakt, hat eine technische Ausbildung erfahren, auch das unterscheidet ihn von Titus Reinarz. Trotzdem hat es Emsermann in den Jahren, in denen er künstlerischen tätig ist zu einer beachtlichen Qualität gebracht, seine Arbeiten wurden mehrfach ausgestellt.

Nach eigener Aussage durch eine Fensterreihe angeregt, gestaltet er seine Formen gewissermaßen immer um eine Öffnung, eine Leere, einen Durchblick herum. Manchmal bedeutet die Öffnung etwas, beim weiblichen Porträt ist es wohl der Mund, bei dem Tryptichon ‚Die Hörer’ sind es sicher die Ohren. Doch abbildend sind Emsermanns Skulpturen gewiss nicht. Sie gewinnen ihre Wirkung aus dem Zusammenspiel von Material und Farbe. Beim weiblichen Porträt ist in einen fast unbearbeiteten Carrara-Marmorblock ein Kern aus Blei geschoben, die Öffnung und ein schlankes Metallstück von quadratischem Querschnitt sind vergoldet. Dieser ‚Kopf’ steht auf einer bleiernen Stele, die zwar schnörkellos ist, aber keine ganz regelmäßige Oberfläche hat.. Die drei Farbtöne spielen hier ebenso ineinander wie die drei verschiedenen Oberflächen. Geht man um die Figur herum, so weitet sich die Öffnung oder schließt sich ganz, je nachdem in welchem Winkel man auf sie blickt.

‚Stupor mudi’ hat der Künstler die große Stele genannt, die wie ein Instrument für einen unbekannten Spieler im Garten steht und dieses Instrument gemahnte ihn an den Stauferkaiser Friedrich II, den er sehr verehrt. Eine Eichenbohle, die er teilweise aufgesägt und in Strukturen zerlegt hat, bildet den Kern, der von harzgebundenem Sand gefasst und zwei Bleielementen unterschiedlicher Dimension flankiert wird. Die unregelmäßige Form der Holzbohle gibt die Form vor, die Teilvergoldung und das ins weiße Spielende Blei beleben die Farbigkeit.
Blei ist für ihn ein wunderbares Material, weil es gut zu verarbeiten ist und weil seine Oberfläche eine Patina bildet, die es immer mehr verschönt. Sie wird nicht dunkler, sondern heller und diesen Alterungsprozess setzt der Künstler bewusst ein.

Als der Künstler bei einem Spaziergang an der Sieg ein Stück Holz fand, ganz offenbar die angebrannten Reste eines Deckenbalkens, nahm er es mit nach Hause und schuf die sehr lebendige Skulptur ‚Treibholz’ indem er der natürlichen Form und Maserung des Holzes folgend, bleigefasste Fenster einbrachte. Die durch das Alter sehr lebendig gewordene Form des Holzes macht es fast zu einem lebendigen Wesen zu dem die Metallrahmen der Öffnungen in fruchtbarer Spannung stehen.

Meine Skulpturen brauchen das Grün, sagt der Künstler und hier im Garten des Krankenhauses kann man das nachvollziehen. Vor dem wechselnden Grün der Bepflanzung wirkt ihre sublime Farbigkeit, die Bewegung, die der Wind in die Umgebung bringt, machen die die feste Form deutlich und heben die Öffnungen hervor.

Die Skulpturen beider Künstler stehen damit im Dialog mit dem umgebenden Garten und ergänzen und erweitern dessen Bepflanzung.
Ich kann mit gut vorstellen, dass die Patienten, wenn das Wetter noch eine Weile schön bleibt, gerne hierher kommen und sich die Kunstwerke betrachten. Dabei wird sicher jeder ein Werk finden, das ihn besonders fasziniert und das er immer wieder gerne ansieht. So kann dieser Skulpturengarten seine anfangs genannte Funktion erfüllen und Mitarbeiter und Patienten des Hauses mit Freude und Glück erfüllen. Ich gratuliere der Krankenhausleitung zu dieser guten Idee, den Künstlern zu ihren Werken und wünsche Ihnen viel Besucher mit Freude am Wandeln im Garten.